Wildpflanzen sammeln im Mai
Kein anderer Monat trägt einen so poetischen Beinamen. „Wonnemond“ leitet sich vom althochdeutschen Wort wunni ab, das so viel bedeutet wie Wonne, Freude, Lust und Vergnügen. Der Mai war der Monat, in dem das Vieh zum ersten Mal auf die frischen Weiden getrieben wurde – und in dem die Menschen nach dem langen Winter endlich wieder aufatmeten.
Diese Energie spürst du auch heute noch. Die Tage sind schon lange und warm, aber noch nicht schwer und heiß wie im Hochsommer. Das Licht ist zart und golden. Der Wald trägt sein frischestes, leuchtendstes Grün – dieses ganz besondere Maigrün, das du nur in diesen wenigen Wochen siehst, bevor die Blätter dunkler und fester werden.
Komm mit raus. Am besten jeden Tag.
Das große Blütenkonzert – Weißdorn, Flieder und der erste Holunder
Im Mai wandert die Energie endgültig von den Wurzeln in die Blüten.
Der herzstärkende Weißdorn bildet ein Blütenmeer aus hunderten kleinen weißen Blüten. Es summt und brummt und die Bienen werden fast schwindelig von dem süßlichen Duft. Ich mag ihn. Aber manche Menschen gehen davon laufen.
Flieder duftet jetzt so intensiv durch die Straßen, dass man meinen könnte, jemand hätte die ganze Stadt parfümiert. Die Blüten sind essbar – zart und blumig im Salat, kandiert auf der Torte oder als Sirup eingemacht.
Die ersten Holunderblüten öffnen sich. Flach wie kleine cremefarbene Teller, verströmen sie ihren typischen Duft.
Die Eisheiligen – die letzte „Kälte“ vor dem Sommer
Mitte Mai fordern die Eisheiligen die frischen Triebe und Blüten. Trotz warmer Tage kann einströmende Polarluft für nächtliche Frostschübe sorgen. In der Natur zeigt sich dann, welche Triebe wirklich stark genug sind. Erst nach der „Kalten Sophie“ am 15. Mai gilt die Frostgefahr als gebannt und die wärmeliebende Flora kann ohne Hindernisse wachsen und er Sommer kann kommen.
Waldmeister – der grüne Zauberer des Maiwaldes
Ohne ihn gäbe es keinen Mai. Und keine Maibowle.
Der Waldmeister bildet mit seinen sternförmigen Blattquirlen und winzigen weißen Blüten kleine Teppiche auf schattigem Waldboden.
Frisch riecht er kaum – sein charakteristischer, süß-herber Duft entfaltet sich erst beim Welken. Genau das macht ihn in der Küche so besonders, zum Beispiel für die klassische Maibowle. Hier geht’s zum Rezept: Maibowle MIT und OHNE Alkohol KLICK
Waldmeister enthält Cumarin, daher nur in kleinen Mengen genießen.
Fichtenspitzen – das grüne Gold des Waldes
Auch die hellgrün leuchtenden Triebspitzen der Fichte, die Maiwipferl, kannst du jetzt sammeln oder direkt vom Baum naschen. Das Zeitfenster ist eng: Ungefähr zwei bis drei Wochen sind sie ganz zart und schmecken köstlich zitronig und nach Wald. Danach verhärten sie.
Hier findest du Rezepte mit Fichte und Tanne und eine Anleitung, wie du die beiden Nadelbäume von der giftigen Eibe unterscheiden kannst. KLICK.
Dein Sammelkorb im Mai:
- Waldmeister: Vor der Blüte im Halbschatten ernten, in Maßen verwenden – für Maibowle oder Sirup
- Fichtenspitzen: Jetzt auf dem Höhepunkt – für Sirup, Salz oder einfach so naschen
- Weißdornblüten: Blüten und Blätter frisch in Tee geben oder trocknen
- Giersch: jung geerntet, ideal für Suppen, Pesto, Gemüsepfannen
- Holunderblüten: geöffnete Dolden am späten Vormittag ernten
- Vogelmiere: Fein und zart – als Salat oder Smoothie-Zugabe
- Lindenblätter: sind jetzt groß genug, um sie für essbare Wickelblätter mit kreativen Füllungen zu verwenden. Sie sind ein unkompliziertes Wildgemüse.
Junge Tiere – Augen auf beim Sammeln
Der Mai ist die Zeit vieler Jungtiere. Rehkitze liegen jetzt in hohem Gras, um sich zu verstecken. Ihr Instinkt sagt: Liegenbleiben bedeutet Überleben. Aber die Mutter ist in der Nähe.
Auch die Feldlerche brütet jetzt am Boden, ebenso viele andere Bodenbrüter. Wer durch Wiesen streift, tut das am besten auf Wegen und mit ruhigem Schritt.
Maikäfer und Kuckuck
Maikäfer schwärmen an lauen Maiabenden aus, um Blätter zu fressen und sich zu paaren. Am liebsten Buchen, Eichen und Ahorn. Leider lebt der fliegende Maikäfer nur etwa vier bis sechs Wochen. Ich habe leider noch nie einen gesehen.
Und der Kuckuck – er ruft! Wer seinen ersten Kuckucksruf im Mai hört, hat den Rest des Jahres so viel Geld, wie er in diesem Moment in der Tasche hat. Viel oder wenig.
Maiglöckchen – die schöne Gefahr
Was wäre der Mai ohne Maiglöckchen?
Diese süßen kleinen Glöckchen und diiiieeeser Duft. Ich liebe ihn.
Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ist aber nur was fürs Auge.
Denn es ist eine sehr giftige Wildpflanze, die oft auch dort zu finden ist, wo der Bärlauch wächst. Die Verwechslung kann lebensgefährlich sein.
Prüfe jedes einzelne Blatt bei der Mai-Ernte für deine eigene Sicherheit.
Diese Wildpflanzen kannst du im Mai sammeln
Und natürlich auch, ob du an den richtigen Orten suchst.
Welche Teile der Wildpflanzen sind gerade jetzt voller Wirkstoffe?
Blätter, Blüten, Früchte oder Wurzeln?
Damit dir nichts entgeht, habe ich einen Sammelkalender zusammengestellt.
Melde dich gern an zu meinem Newsletter WILDE POST und du bekommst jeden Monat den aktuellen Kalender zum Download.
HER MIT DEN WILDEN KÖCH:INNEN
WILDE POST
Freu dich wieder über Post:
Wilde Neuigkeiten und Rezepte von Wald und Wiese.
Melde dich hier kostenlos an!
Als Geschenk bekommst du jeden Monat eine aktuelle Sammelliste für Essbare Wildpflanzen.








