Brennnesselsamen erkennen – Unterschied zwischen männlichen und den weiblichen Pflanzen
Wenn du Brennnesselsamen sammeln möchtest, ist eine Sache besonders wichtig:
Du musst wissen, welche Pflanze überhaupt Samen bildet. Nur die weiblichen Pflanzen bilden die kleinen, wertvollen Nussfrüchte, die Samen aus. Und genau diese Samen suchen wir, mit denen wir unseren Jahresvorrat an wertvollen Inhaltsstoffen füllen wollen. Für unsere Gesundheit und eine genussvolle Küche.
Die männlichen Brennnesseln hingegen bilden ausschließlich Blüten mit Pollen – keine Samen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du die beiden sicher unterscheidest und worauf ich selbst beim Sammeln achte.
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Inhaltsverzeichnis
2. Wie erkennst du männliche Brennnesseln?
3. Männliche Brennnesselblüten | Fotos
4. Wie erkennst du weiblichen Brennnesseln?
5. Weibliche Brennnesselblüten und ihre Samen | Fotos
1. Die Brennnessel ist zweihäusig
Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist eine zweihäusige Pflanze. Das bedeutet: Männliche und weibliche Blüten bilden sich auf verschiedenen Pflanzen. Eine Brennnessel trägt also ENTWEDER männliche ODER weibliche Blüten.
Warum ist das so?
Der Wind spielt dabei eine wichtige Rolle. Er trägt den Pollen der männlichen Blüten zu den weiblichen. So wird eine Selbstbestäubung in vielen Fällen verhindert. Brennnesseln tauschen lieber frisches Erbgut aus. Auf diese Weise entstehen Nachkommen mit einer bunten Mischung an Genen – ein Vorteil, wenn es ums Anpassen und Überleben geht.
Kommt es dann glücklicherweise zur Befruchtung, YIPPIEH, bilden sich die winzigen Nussfrüchte. Die Samen, auf die wir scharf sind.
Die Kleine Brennnessel (Urtica urens) macht das anders: Sie trägt männliche UND weibliche Blüten an einer Pflanze und kann sich dadurch selbst bestäuben. Allerdings mit wenig frischem Wind im Erbgut ihrer Kinder. Quelle: www.nabu-potsdam.de
2. Wie erkennst du männliche Brennnesseln?
Die männlichen Blüten stehen aufrecht oder waagerecht vom Stängel ab (was für eine Eselsbrücke). Kleine, kugelige Blütenknospen sitzen dicht an dicht aneinander und leuchten in frischem Hellgrün bis leicht Gelb. Sie sind schon im Knospenstadium prall gefüllt.
Sind sie reif, öffnen sich die Blütensäckchen und verteilen den Pollen explosionsartig in die Luft. Berührst du sie in diesem Stadium nur ganz leicht, wirst du eine kleine Pollenwolke bemerken.
MERKE: Männliche Brennnesseln produzieren ausschließlich Pollen, keine Samen.
Männliche Brennnesselblüten in der Küche
Anders als die weiblichen Früchte, aber dennoch schmackhaft, machen die Blütenrispen kurz in Olivenöl mit Knoblauch angebraten, jedes Brot zu einer herzhaften, wilden Stulle.
Als Beilage zu Gemüse oder Fleisch bringen sie Würze und Frische.
Allerdings nur frisch geerntet und solange sie noch keine Pollen gebildet haben. Dann steckt all ihre Kraft und ihr feines, fast fruchtiges Aroma noch in den winzigen Kügelchen. Bist du zu spät, schmeckt es nach nix und staubt im Mund.
3. Männliche Brennnesselblüten
Männliche Pflanze. Die Blütenknospen sehen aus wie kleine runde Beutelchen.
Männliche Pflanze. Die Blütenstände stehen meistens aufrecht seitlich vom Stängel ab.
Männliche Pflanze. Manchmal hängen sie aber auch leicht herunter.
Männliche Pflanze. Die Blütenstände sind hellgrün, gelb oder weißlich.
Männliche Pflanze. Die Blütenstände wirken filigran und leicht.
Männliche Pflanze. Sind die Pollen verteilt, bleibt nur noch das Gerippe übrig.
4. Wie erkennst du die weiblichen Brennnesseln?
Die Blüten sehen aus wie kleine weiße Puschel.
Die Samen sind oval, etwas kantig, grün bis bräunlich und hängen in dicken „Trauben“ an der Brennnessel herunter. Sie knacken beim Draufbeißen und schmecken nussig.
Anfangs sind sie frisch-grün und glänzend.
Je länger sie reifen, verwandelt sich ihr Glanz in ein mattes Blassgrün und sie werden etwas kleiner.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu ernten.
Wartest du zu lange, sind sie schon abgefallen und haben sich schon auf den Weg gemacht, eine neue Familie zu gründen. Oder sind an der Pflanze vertrocknet. Alle wertvollen Inhaltsstoffe und auch der Geschmack sind dahin. Willst du sie pflücken, zerfallen sie fast.
An Orten, wo die Sonne den ganzen Tag scheint, habe ich Exemplare gesehen, die von Dürre und sengender Hitze wie verbrannt schienen.
Auch diese Samen sind wertlos – die vertrocknete Hülle ihrer selbst.
Mit der Zeit und deiner Erfahrung wirst du die Unterschiede kennenlernen und sie schon von Weitem erkennen.
Warum solltest du überhaupt Brennnesselsamen ernten? KLICK
3. Weibliche Brennnesselblüten und ihre Samen
Weibliche Pflanze. Die Blüten haben kleine weiße Puschel, wie zarte Schneeflocken.
Weibliche Pflanze. Nach der Bestäubung bilden sich die kantigen Nussfrüchte – ihre Samen.
Weibliche Pflanze. Die Samen hängen gern mit mehreren zusammen.
Weibliche Pflanze. Die Samen sind oval, etwas kantig, grün bis bräunlich.
Weibliche Pflanze. Prall gefüllt hängen ihre Samen schwer durch ihr Gewicht nach unten.
Weibliche Pflanze. Je nach Reife ändert sich die Farbe von glänzend grün zu blassgrün matt.
Weibliche Pflanze. Erntereife Samen hängen kumuliert an der Brennnessel.
Vertrocknete Samen ohne jeglichen Nutzen, weder geschmacklich noch inhaltlich.
Übrigens …
Brennnesselsamen sollen bei Frauen die Lust steigern und sich positiv auf die männliche Potenz und die Spermienqualität auswirken.
Ein guter Vorrat kann ja nicht schaden 🙂
6. Auf einen Blick – dein schneller Bestimmungs-Guide
1. Schau dir die Rispen genau an
Welche Ausrichtung haben die Rispen? Die weiblichen Brennnesseln tragen auffällige, volle Samenrispen,
die wie kleine grüne Trauben schwer nach unten hängen. Die männlichen wirken luftiger und stehen
eher vom Stängel ab – als wollten sie sich leicht machen und im Wind tanzen.
2. Tippe mit dem Finger gegen die Rispe
Ich mache das ganz vorsichtig: Wenn eine feine Pollenwolke aufsteigt, hast du eine männliche Pflanze vor dir.
Staubt es nicht und ist satt grün, ist es eine weibliche.
3. Ernte nur bei reifen Samen
Die Samen sollten prall, nussig und frisch grün aussehen. Braune oder eingetrocknete Samen wirken oft
leblos. Ich sammele nur, wenn ich sehe, dass noch die ganze Lebenskraft der Pflanze im Samen steckt.
4. Lieber etwas abwarten
Gerade am Anfang habe ich oft zu früh geerntet. Heute weiß ich: Es lohnt sich, ein paar Tage zu beobachten.
Wenn sich die Rispen verdichten und sichtbar schwerer werden, ist der richtige Moment.
Merksatz zur Unterscheidung:
Was schwer hängt, nährt. Was staubt, bestäubt.
7. Gut zu wissen
- Die männlichen Pflanzen blühen etwas früher als die weiblichen.
- Standort und Witterung beeinflussen, wie deutlich sich die Rispen ausbilden. Und auch ihre Farbe. (s. Foto)
- Im Schatten oder bei Trockenheit sind selbst weibliche Rispen manchmal weniger üppig – aber dennoch erkennbar.
- Die Nüsschen, die wir ernten, sind eigentlich die Samenhüllen, in denen sich der winzige Same versteckt.
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Unreife weibliche Pflanzen oder männliche Pflanzen in Blüte können ähnlich aussehen.
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Tipp: Lieber 1–2 Wochen abwarten – aus Blüten werden bei weiblichen Pflanzen gut erkennbare Samenrispen.
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Dieses wunderschöne Exemplar habe ich bei meinem letzten Spaziergang entdeckt. In dieser Färbung habe ich sie noch nie gesehen.
Dunkelviolett und dunkles Blau sind eine Hinweis auf Anthocyane in der Pflanze. Sie schützen sie vor Hitze und Kälte.
Diese Pflanze ist den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt. Und so hat sie einen Sonnenschutz gebildet.
Für uns Menschen auch sehr gesund. Aber das ist ein anderes Thema …
HER MIT DEN WILDEN KÖCH:INNEN
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